
Großes Interesse, zahlreiche kritische Fragen und ein lebendiger Austausch: Im Rahmen des Besuchstages „School & Politics“ begrüßte die Realschule plus Daaden-Herdorf am Freitag, 6. November 2026, die rheinland-pfälzische Ministerin und stellvertretende Ministerpräsidentin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD). Rund 80 Minuten lang stand sie den Schülerinnen und Schülern der Klassen 9A und 9B Rede und Antwort.
Politik einmal nicht aus dem Schulbuch kennenlernen, sondern unmittelbar mit einer Politikerin ins Gespräch kommen – diese besondere Gelegenheit bot sich den Neuntklässlern der Daadener Realschule plus. Mit Sabine Bätzing-Lichtenthäler besuchte eine Politikerin die Schule, die nicht nur als Landtagsabgeordnete den Wahlkreis Betzdorf/Kirchen vertritt, sondern seit Mai 2026 auch als Ministerin für Arbeit, Soziales, Frauen, Familie und Jugend sowie als stellvertretende Ministerpräsidentin Verantwortung in Rheinland-Pfalz trägt. Nach einer kurzen Begrüßung durch den stellvertretenden Schulleiter, Lars Limbach, entwickelte sich direkt eine offene und lebendige Gesprächsrunde. Mit zahlreichen vorbereiteten, aber auch spontanen Fragen zeigen die Schülerinnen und Schüler ihr Interesse an politischen und gesellschaftlichen Themen. Dabei scheuten sie sich keineswegs, auch kritische und unbequeme Fragen anzusprechen.
Persönliche Einblicke und politische Verantwortung Zunächst interessierten sich die Jugendlichen für den persönlichen und politischen Werdegang ihres Gastes. „Warum sind Sie eigentlich Politikerin geworden?“, „Würden Sie diesen Weg noch einmal wählen?“ oder „Wie schaffen Sie es, Familie und Politik miteinander zu vereinbaren?“ waren einige der Fragen, mit denen die Schülerinnen und Schüler mehr über den Menschen hinter dem politischen Amt erfahren wollten. Darüber hinaus standen die Aufgaben der Ministerin und stellvertretenden Ministerpräsidentin im Mittelpunkt. Die Jugendlichen wollten wissen, wie ein gewöhnlicher Arbeitstag aussieht, wie politische Entscheidungen zustande kommen und welche Einflussmöglichkeiten eine einzelne Politikerin tatsächlich besitzt. Auch die Zusammenarbeit zwischen CDU und SPD in der rheinland-pfälzischen Landesregierung wurde thematisiert. Dabei interessierte die Schülerinnen und Schüler insbesondere, wie politische Kompromisse entstehen und wie Politiker mit unterschiedlichen Meinungen innerhalb einer Regierung umgehen.
Unsere Region und die Zukunft junger Menschen Ein besonderes Augenmerk richteten die Jugendlichen auf ihre eigene Heimat. „Was haben Sie bisher konkret für den Kreis Altenkirchen erreicht?“ und „Was kann die Politik dafür tun, dass junge Menschen nach ihrer Ausbildung in unserer Region bleiben?“ waren exemplarische Fragen, die den unmittelbaren Bezug zwischen politischen Entscheidungen und der Lebenswirklichkeit der Schülerinnen und Schüler verdeutlichten. Auch die Zukunft der Schulen und die beruflichen Perspektiven junger Menschen spielten eine wichtige Rolle. Die Jugendlichen interessierten sich auch für die medizinischen Versorgung im ländlichen Bereich und wie diese in der Zukunft aussehen könnte.
Kritische Fragen zu aktuellen Herausforderungen Neben regionalen und schulischen Themen beschäftigten sich die Neuntklässler auch mit grundlegenden gesellschaftlichen Herausforderungen. Besonders nachdenklich stimmten Fragen wie „Was können Sie gegen die zunehmende Unzufriedenheit mit der Politik unternehmen?“ oder „Wie können Jugendliche Politik beeinflussen, obwohl sie noch nicht wählen dürfen?“ Die Jugendlichen machten damit deutlich, dass sie nicht nur politische Entscheidungen verstehen, sondern auch wissen möchten, wie sie selbst die Zukunft mitgestalten können. „Was junge Menschen jetzt und in Zukunft bewegt, ist mir besonders wichtig. Dazu haben wir vor zwei Jahren den Landes-Jugendbeirat gegründet, um am Puls unserer Jugend zu bleiben. Wir nehmen die Sorgen und Nöte aber auch Ideen der 14–21-Jährigen ernst und wollen sie mitgestalten lassen.“ so die stellvertretende Ministerpräsidentin.
Frieden, Demokratie und Erinnerungskultur Ein weiterer wichtiger Themenbereich war die Verantwortung für Frieden, Demokratie und ein respektvolles gesellschaftliches Miteinander. Ein aktueller Bezug ergab sich direkt durch die bevorstehende Gedenkveranstaltung zur Reichspogromnacht am 9. November in der evangelischen Kirche in Daaden, zu der Sabine Bätzing-Lichtenthäler eingeladen hat. Die von ihr initiierte Veranstaltung gehört schon seit nunmehr 4 Jahren zur Tradition. Im Jahr 2024 hatte die AG-Friedenserziehung-Geschichte mit ihren Erfahrungen aus dem griechischen Märtyrerdorf Kommeno und der seither gewachsenen Freundschaft und Völkerverständigung die Gedenkfeier gestaltet. Gerade vor dem Hintergrund der langjährigen Friedens- und Erinnerungsarbeit der schulischen AG Friedenserziehung-Geschichte besitzen diese Fragen an der Daadener Realschule plus eine besondere Bedeutung. Die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, das Engagement für Menschenrechte und die Förderung demokratischer Werte sind seit vielen Jahren wichtige Bestandteile des Schullebens.
Ausführliche Antworten und ein Gespräch auf Augenhöhe Sabine Bätzing-Lichtenthäler nahm sich viel Zeit, um auf die vielfältigen Fragen der Jugendlichen einzugehen. Ihre ausführlichen und verständlichen Antworten ermöglichten den Schülerinnen und Schülern interessante Einblicke in politische Entscheidungsprozesse und den Alltag einer Politikerin. Dabei ging sie auch auf kritische Nachfragen ein und verdeutlichte, dass Politik häufig mit schwierigen Entscheidungen, unterschiedlichen Interessen und der Suche nach gemeinsamen Lösungen verbunden ist. Besonders erfreulich war, dass die Gesprächsrunde nicht bei vorbereiteten Fragen stehen blieb. Immer wieder meldeten sich Schülerinnen und Schüler zu Wort, stellten zusätzliche Fragen und griffen angesprochene Themen erneut auf. Die hohe Beteiligung und die Vielfalt der Wortmeldungen machten deutlich, wie groß das Interesse an Politik ist, wenn junge Menschen die Möglichkeit erhalten, unmittelbar mit politischen Verantwortungsträgern zu diskutieren. Die Zeit verging entsprechend schnell, denn die Fragen gingen den Jugendlichen keineswegs aus.
Fazit: Demokratie braucht junge Menschen, die Fragen stellen. Der Besuch von Sabine Bätzing-Lichtenthäler war weit mehr als eine Unterrichtsstunde über Politik. Er war ein gelungenes Beispiel dafür, wie lebendig und praxisnah Demokratiebildung in der Schule sein kann.
Die Schülerinnen und Schüler haben eindrucksvoll bewiesen, dass sich junge Menschen für Politik interessieren, kritisch nachfragen und ihre Zukunft aktiv mitgestalten möchten. Sie wollen verstehen, warum Entscheidungen getroffen werden, welche Auswirkungen diese auf ihr Leben haben und wie sie selbst Verantwortung übernehmen können. Gerade in einer Zeit, in der demokratische Werte zunehmend unter Druck geraten, sind solche Begegnungen von besonderer Bedeutung. Sie schaffen Verständnis für politische Prozesse, fördern den respektvollen Austausch unterschiedlicher Meinungen und stärken das Vertrauen in demokratische Institutionen. Für die Realschule plus Daaden-Herdorf gehört es zum Bildungsauftrag, junge Menschen nicht nur auf Prüfungen und das Berufsleben vorzubereiten, sondern sie auch zu mündigen, verantwortungsbewussten und demokratisch handelnden Bürgerinnen und Bürgern zu erziehen.
„Demokratie lebt nicht davon, dass Menschen immer einer Meinung sind. Sie lebt davon, dass Menschen miteinander sprechen, kritisch nachfragen, einander zuhören und gemeinsam nach Lösungen suchen“, gab die stellvertretende Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz den Jugendlichen beim abschließenden Friedensläuten mit der schuleigenen Friedensglocke mit auf den Weg.
Die Schulgemeinschaft bedankt sich herzlich bei Sabine Bätzing-Lichtenthäler für ihren Besuch, ihre Offenheit und die Zeit, die sie sich für die zahlreichen Fragen der Jugendlichen genommen hat.
Denn eines wurde an diesem Vormittag besonders deutlich, so der stellvertretende Schulleiter Lars Limbach: „Die Demokratie von morgen braucht die Fragen, die Ideen und das Engagement der jungen Generation von heute.“
verantwortlich Text und Foto: Lars Limbach